Neuigkeiten in der Endometriosetherapie

Dt. Endometriose Kongress, Münster, 12. September 2009

Gestagene- (k)ein Klasseneffekt: Die Sonderstellung von Dienogest

A.O. Mueck, Tübingen

Dienogest (DNG) – ein Gestagen mit einer Kombination der Eigenschaften von 19-Nortestosteron-Derivaten und Progesteron-Derivaten

DNG leitet sich in der chemischen Struktur vom Nortestosteron ab, enthält aber im Gegensatz zu den anderen C19-Gestagenen anstelle der 17α-Ethinylgruppe eine Cyano-methylgruppe. Diese spezifische Struktur (Graphik) ist für das besondere pharmakodynamische Profil von Dienogest verantwortlich: DNG vereinigt Eigenschaften der 19-Nortestosteron-Derivate (z.B. Rezeptorselektivität, hohe orale Bioverfügbarkeit, starke gestagene Wirkung am Endometrium) mit typischen Eigenschaften der 17α-Hydroxyprogesteron-Derivate (moderate anti-gonadotrope Wirkung, im metabolischen Stoffwechsel weitgehend neutral). Das Profil übersetzt sich auch in die Klinik: In verschiedenen Studien wurden keine Beeinträchtigungen der Leberfunktion, des Lipidmetabolismus oder des Kohlenhydratstoffwechsels beobachtet.
DNG weist eine hohe Affinität zum Progesteronrezeptor auf; es blockiert den Androgenrezeptor. Zu den anderen Steroidrezeptoren hat es nur vernachlässigbare Bindungsaffinitäten. Es ist nicht an SHBG gebunden, wodurch sich die anti-androgene Wirkung im klinischen Profil noch erhöht (kein Effekt auf freies Testosteron).
Experimentelle Untersuchungen mit DNG in der Endometriose
DNG zeigt in verschiedenen Endometriosemodellen anti-proliferative und anti-inflammatorische Effekte: So konnte man in vitro eine direkte Proliferationshemmung durch DNG und Progesteron via den Progesteronrezeptor durch die Suppression der Cyclin D1 Gen Expression nachweisen. Diese Ergebnisse weisen auf einen direkten pharma-kologischen Wirkmechanismus von DNG auf endometriale Stromazellen hin. Auch in humanen endometroiden Stromazellen zeigt DNG eine direkte, dosisabhängige anti-proliferative Wirkung.
Auch in-vivo Untersuchungen deuten auf die Wirkung von DNG bei der Endometriose hin: Bei experimentell induzierter Endometriose (Autotransplantation in Ratten) lässt sich eine Reduktion des endometrialen Implantatvolumens (vergleichbar stark wie mit Danazol und Buserelin) zeigen. In präklinischen Untersuchungen zeigt DNG aber neben der antiproliferativen Wirkung auch eine ausgeprägte Angiogenesehemmung.
Derartige präklinischen Ergebnisse finden Bestätigung in der Klinik: In einer kürzlich ver-öffentlichten Studie zeigte sich bei Endometriose-Patientinnen nach 24 Wochen Behandlung mit 2 mg DNG/d eine signifikante Verringerung von Endometriose-Läsionen in einer second-look Laparoskopie (gemessen mittels des r-AFS Scores). Auch verminderten sich typische Symptome wie Dyspareunie, Dysmenorrhoe, diffuse Unterbauchschmerzen und prämenstruelle Schmerzen bei den Patientinnen (Graphik).


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