7. Deutscher Endometriose-Kongress 2007

7. Deutscher Endometriose-Kongress
Tagungsleitung: Prof. Dr. med. Dr. phil. A.D. Ebert
Termin: 26. - 29. September 2007
Tagungort: Berlin, Hotel Berlin, Lützowplatz 17, 10785 Berlin

Titel: "Endometriose, Gebärmutter & Fruchtbarkeit"

Informationen:
Conventus Congressmanagement & Marketing GmbH,
Markt 8; 007743 Jena
Tel: +49 3641 35 33 22 31
katharina.kaps@conventus.de
www.conventus.de/endometriose

Grussworte des Präsidenten:
Diagnose Endometriose – was bedeutet das für das Leben einer Frau und was ist dieser Diagnose schon vorausgegangen?
Die Endometriose ist eine gutartige gynäkologische Erkrankung, die in erster Linie mit verstärkten Regelschmerzen, vielleicht auch verstärkten Blutungen, Unterbauchschmerzen und -beschwerden, aber auch Schmerzen beim Stuhlgang, beim Wasserlassen oder bei der Sexualität einhergeht. Häufig ist sie auch mit einer ungewollten Kinderlosigkeit verbunden. Diese Symptome treten meistens nicht gemeinsam auf, aber es können Kombinationen verschiedener Symptome bei einer Patientin vorhanden sein. Deswegen ist es immer wieder wichtig, dass eine Menstruation, die zu Krankheitsgefühl, Bettlägerigkeit oder Medikamenten-Missbrauch führt, nicht normal ist und das erste Zeichen einer Endometriose, d.h. letztendlich eine Erkrankung der Gebärmutter und ihrer Anhänge, sein kann.
Häufig wird die Diagnose leider viel zu spät gestellt. Es gibt gute Daten aus Amerika und aus England, die besagen, dass in diesen Ländern nach Erstsymptomen die Diagnose erst 6 bis 8 Jahre später tatsächlich feststeht. In dieser Zeit kann diese gutartige Erkrankung natürlich weiter wachsen und die Beschwerden teilweise auch chronifizieren. In vielen Fällen haben Patientinnen auch bereits Operationen oder hormonelle Behandlungen hinter sich gebracht, insbesondere die Hormonbehandlung mit Pille oder GnRh-Analoga ist hoch wirksam, bedeutet jedoch, dass auch in das Feintuning des Körpers eingegriffen wird, was ungünstig ist, wenn man nicht weiß, um welche Erkrankung es sich tatsächlich handelt. Allein die Verdachtsdiagnose Endometriose rechtfertigt nicht, mit hochwirksamen Hormonpräparaten eine Therapie zu beginnen. Es ist sinnvoll, eine feingewebliche Absicherung anzustreben und hier ist nach wie vor der Goldstandard die Bauchspiegelung, bei der die Erkrankung nicht nur eindeutig diagnostiziert werden kann, sondern bei der auch Proben entnommen werden können und die Endometriose nach Möglichkeit komplett mit Schere, Ultraschall oder Laser entfernt werden sollte. Gleichzeitig kann die Eileiterdurchgängigkeit überprüft werden und die Gebärmutter auf Abnormalitäten abgesucht werden.
Wie in jedem Gebiet der Medizin ist es eindeutig klar, dass der größte Risikofaktor bei einer Erkrankung immer der erstbehandelnde Arzt bzw. der erstbehandelnde Operateur ist. Deswegen ist es in Deutschland inzwischen anerkannte Meinung, dass Endometriose-Operationen keinesfalls zu den Anfängeroperationen zählen, sondern dass insbesondere bei ausgedehnter Endometriose eine Operation nur mit ausgedehnten Ovarialcarcinom-Operationen vom technischen Anspruch her vergleichbar ist. In jedem Falle bewirkt die zunehmende Information der Frauen, insbesondere über Zeitschriften, Zeitungen und über das Internet, auch eine Sensibilisierung des Themas Endometriose, was ebenfalls für die Ärzteschaft zutrifft. Selbsthilfegruppen verbreiten ihre Erfahrungen, Kongresse geben diese an die Fachkollegen weiter, die Zusammenarbeit mit der forschenden Pharmaindustrie ist essentiell, weil es neben neuen Qualitätssicherungskonzepten auch neuer Medikamente bedarf, um die Behandlung der Endometriose oder gar ihre Früherkennung zu optimieren.
Die Endometriose wird heute als gutartige Erkrankung angesehen. Wenn man sich jedoch die Ausbreitungsmuster, d.h. die Absiedelungsorte und das biologische Verhalten dieser Erkrankung ansieht, kommt man nicht umhin, festzustellen, dass es möglicherweise doch einige Ähnlichkeiten zu Erkrankungen invasiven Charakters gibt. Die Endometriose bildet neue Gefäße, Nervenneueinsprossungen finden statt, die Zellen können hormonabhängig und hormonunabhängig wuchern, sich an anderen Organen festsetzen und in diese hineinwachsen – dies sind Eigenschaften, die wir sonst nur von Tumoren kennen, und die in manchen Fällen, z.B. bei Darm- oder Blasenbefall, auch zu ausgedehnten Operationen führen.
Ungeachtet dessen ist die Endometriose keine Krebserkrankung. Hier an dieser Schnittstelle zwischen Gutartigkeit und Bösartigkeit setzen viele Forschungsprojekte an, die sich unter dem Sammelbegriff „translationale Forschung“ in den letzten Jahren entwickelt haben. Hormonrezeptoren, die Expressionen von Nerven und anderen Wachstumsfaktoren, die Signaltransduktion innerhalb von Endometriosezellen, ihre Hormonabhängigkeit, ihr biologisches Invasionsverhalten und viele andere biologische Faktoren werden derzeit in Bezug auf ihren Nutzen für neue Diagnose- oder Therapieverfahren untersucht.
Die Zahl der Publikationen über Endometriose auf den Gebieten der klinischen und Grundlagenforschung nimmt stetig zu, was Ausdruck eines Problembewusstseins unter klinischen und experimentiellen Forschern ist. Diese Entwicklung muss unbedingt unterstützt werden, da auf allen Gebieten der Forschung neue Ansätze verfolgt oder geschaffen werden müssen. Dies betrifft zum Einen die bereits genannte Grundlagenforschung, die angewandte Grundlagenforschung, die klinische Forschung, die Untersuchung neuer diagnostischer Möglichkeiten, aber auch die Untersuchung der Lebensqualität, der Sexualität, der psychosomatischen Veränderungen bis hin zu Fragen der Rehabilitation und der Wiedereingliederung, der Chronifizierung von Schmerz und der Kinderwunschsituation.
Auf diesen Gebieten bedarf es der breiten gesellschaftlichen Unterstützung, die nicht nur durch die Forschung oder Industrie gewährleistet werden kann, oder durch Kliniken und Selbsthilfegruppen, sondern insbesondere auch durch die Gesundheitspolitik. Es muss klar werden, dass das Problem Endometriose ein gesamtgesellschaftliches Problem ist, an dem alle Beteiligten als Partner auf das eine Ziel hinarbeiten sollten – die Ausrottung dieser Erkrankung durch Prävention. Insbesondere der Politik und den Krankenkassen kommt hier eine maßgebliche Rolle zu, da sich diese Institutionen an Schnittstellen befinden, die eine Koordination und Bündelung der Kräfte ermöglichen.
Der finanzielle Background für die Erforschung dieser enigmatischen Erkrankung ist nach wie vor außerordentlich gering, wenn man dies mit onkologischen Erkrankungen vergleicht. Hier bleibt jedoch festzuhalten, dass man Krankheitsbilder natürlich nicht gegeneinander aufwiegen kann. Geht man jedoch von 1,5 bis 2 Millionen Patientinnen mit Endometriose aus und weiß man, dass es in mindestens 30 Prozent dieser Fälle zu Arbeitsausfällen von mehr als 10 Tagen pro Jahr kommt, berücksichtigt man, dass allein in Berlin 1000 Patientinnen mit der Diagnose Endometriose operiert werden und bedenkt man, dass diese Erkrankung durchaus als chronische Erkrankung verstanden werden kann, so wird schnell klar, dass für Endometriose bisher eindeutig zu wenig Initiative und Engagement aufgewendet wurde.
Es ist klar zu wünschen, dass seitens der politisch Zuständigen, der Krankenkassen, der Industrie, der Selbsthilfegruppen, der Rehabilitationseinrichtungen und der klinischen und Grundlagenforscher Task Forces gebildet werden, die in Zusammenarbeit mit der Stiftung Endometriose-Forschung, der Europäischen Endometriose-Liga, der Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V. und anderen Arbeitsgemeinschaften die Qualität der Diagnostik und Behandlung, aber auch der Forschung auf allen Gebieten koordinieren.
Dazu bietet der 7. Deutsche Endometriose-Kongress ein hervorragendes Podium.
Von Seiten der Betroffenen und der Mediziner, die sich mit Endometriose beschäftigen, wurden selbstständige erste Schritte bereits unternommen. In diesem Zusammenhang sei auf die Erarbeitung von Qualitätskriterien für eine Zertifizierung als Endometriosezentrum der verschiedenen Levels sowie auf die Erarbeitung von Leitlinien zur Diagnostik und Therapie der Endometriose hingewiesen. Diese Schritte müssen jetzt auch ökonomisch flankierend von anderen Partnern unterstützt werden. Es ist ein Anachronismus, dass im Europa des 21. Jahrhunderts Millionen Frauen nach wie vor unter einer gutartigen Erkrankung leiden, die ihnen ihre besten Jahre in Bezug auf Lebensqualität, die Möglichkeit Kinder zu bekommen, aktiv an der Gesellschaft gestaltend mitzuwirken oder ihre Sexualität auszuleben, hemmt. Das Europäische Parlamenthat dazu bereits Stellung genommen und Partner aus der Medizin gefunden. Gerade diese Schritte weisen darauf hin, dass hier in Deutschland ausgeprägter Handlungsbedarf besteht, um die guten Potentiale, die bereits vorhanden sind, europäisch beispielhaft auszuweiten.





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